Einkehrtag der befreundeten Bruderschaften

60. Jahrestag der Reichsprogromnacht

In diesem Jahr wurde zum 60. Mal der sog. „Reichskristallnacht“ am 9. November 1938 gedacht, in der die Judenverfolgung in Deutschland einen ersten Höhepunkt erreichte. Diesen Gedenktag nahmen die  4 befreundeten Junggesellen-Bruderschaften von Oberkassel, Königswinter, Ober- und Niederdollendorf zum Anlaß, ihren Einkehrtag am 07.11.1998 unter dieses Motto zu stellen.

Nach der kurzen Begrüßung durch den Hochschulpfarrer Herrn Markus Hoitz, machte dieser anhand eines Witzes deutlich, daß auch unsere Zeit von Vorurteilen geprägt ist. Im Anschluß an diese Ausführungen berichtete Herr Günther Steeg von den Erfahrungen seiner Familie mit dem NS-Regime, da seine, vor ihrer Heirat, zum katholischen Glauben übergetretene Mutter nicht von der Verfolgung durch die Nazis verschont geblieben war. Nachdem noch einige Fragen an Herrn Steeg gerichtet worden waren, sahen wir einen Film über das Leben und Sterben der jüdischen Mitbürger in Königswinter.

In diesem Film kamen Überlebende des Holocaust  aus Königswinter zu Wort, welche von ihren persönlichen Erlebnissen berichteten. Aus diesem Film konnte man entnehmen, daß die jüdischen Einwohner vor der Machtübernahme Hitlers voll und ganz in das Dorfleben integriert waren. Selbst nachdem die NS-Regierung die ersten Maßnahmen gegen die Juden verhängte, wurde die Ausgrenzung der Juden lediglich von einigen wenigen praktiziert. Bis zuletzt wurden die jüdischen Familien, welche keine Lebensmittelkarten erhielten, von Nachbarn und Bekannten mit Lebensmitteln versorgt. Einige jüdische Familien entzogen sich dem Zugriff der Nazis noch rechtzeitig durch Flucht. Mit der Deportation der oftmals alteingesessenen jüdischen Familien begann das Ende jüdischen Lebens in Königswinter. Nach dem Krieg kehrten nur wenige in ihre Heimat zurück, wie z.B. Martha Steeg, welche bis zu ihrem natürlichen Tod in Oberdollendorf lebte.

Der Film und die Ausführungen eines weiteren Zeitzeugen aus Oberdollendorf zeigten den im königswinterer Pfarrheim versammelten ca.40 Mitgliedern unserer Bruderschaften die Ohnmacht und Angst, welche in der Bevölkerung des „3. Reiches“ herrschten. Versuchte jemand gegen die Vorgehensweise der Machthaber zu protestieren wurde er mit Sätzen wie „jank wigger, dat jeit dich nix ahn!“ oder „halt ding Schnüss, oder ich sorg dofür, dat du jenau do hin küss wo die senn“ Mundtod gemacht.

Bei der anschließenden Suche nach dem Standpunkt der Bruderschaften zum NS-Regime stellte sich heraus, daß die Bruderschaften, nach zum Teil anfänglicher Zustimmung für Hitler, relativ schnell eine distanzierte Position zu den Nazis einnahmen. Dies hängt vermutlich mit den „Gleichschaltungsmaßnahmen“ zusammen, in deren Zusammenhang den konfessionellen Verbänden, und damit den Bruderschaften, das Auftreten in der Öffentlichkeit (außer Prozession) verboten wurde, es sei denn sie gäben ihre Konfessionszugehörigkeit auf. Die Bruderschaften entschieden sich in dieser Frage eindeutig für die Bindung an die kath. Kirche und nahmen die damit verbundenen Nachteile in Kauf.

Jesus Christus war Jude und wenn Jesus zu seinem Vater betete, so war dies der jüdische Gott, also beten wir als Christen im „Vater unser“ zu dem gleichen Gott wie das Volk der Juden. In diesem Geiste beteten die Versammelten auf dem jüdischen Friedhof das Gebet unseres Herrn, das „Vater unser“.

Der Einkehrtag endete schließlich mit der Feier der hl. Messe im Pfarrheim von Königswinter.

Ein Jahresbericht im Bruderbuch der Niederdollendorfer Sebastianer endet mit nachstehendem Gedicht, mit welchem ich diesen Bericht beschließen möchte, als Mahnung allen Mitgliedern unserer Bruderschaften:

 

 

 

Wir sind keine Halme, die knicken,
Auch keine Esel die nicken,
Ebenso keine Wetterfahne auf dem Giebel,
Weinen auch nicht nach jeder Zwiebel,
Sind auch kein Wurm, der auf der Erde kriecht,
Wenn auch mal einer abseits Biegt.
Manch Blatt der Sturm vom Baume fegt,
Der Stamm sich trotz und dem nicht wegt.
Halten wir fest am guten Alten,
Der Bruderschaft die Treue halten.
Treu zu Gott und unserem Vaterland,
St. Sebastian halt über uns deine schützende Hand.

 

 


von Markus Keil